Drei Wochen Abenteuer – geht das überhaupt?
Ist so ein Abenteuer für „Normalbürger“ mit drei Wochen Urlaub und überschaubarem Budget möglich? Was ist bei der Vorbereitung einer Tour in einer Halbwüste zu Beachten. Wie schlagen sich zwei Straßenfahrer auf Gravelroads?
Die Idee: Raus aus dem Winter
Mein ursprünglicher Plan, drei Wochen im Warmen wenn es zu Hause Nasskalt ist. Berge, Meer, und gepflegtes Speisen auf der Terrasse eines Weingutes beim Sonnenuntergang.
„März, der Herbst der Südhalbkugel. Wenig Regen und nicht mehr so heiß. Und wenn Du hier eine Tour fährst bin ich dabei“, war die Antwort von Gerrit auf meine Frage welcher Monat gut für eine Tour in der Kapregion ist. Mein Patentkind ist vor 10 Jahren nach Kapstadt gezogen. Wenig Regen stimmt, über die Temperaturen müssen wir noch reden.
Kapstadt „Route 62“ und „Garden Route“! Wer da war will wieder hin. Die Route 62 wird auch als eine der längsten Weinstraßen der Welt bezeichnet. Genussroute würde auch passen, die kulturelle und regionale Vielfalt findet sich auch auf den Menükarten. Strauß, Springbock oder Zebra und alles was Pazifik und Atlantik hergeben.
Start der Tour: Von Kapstadt Richtung Norden
Das obligatorische Foto vor Rony´s Sex Shop durfte ich mit Familie schon vor sechs Jahren machen. Diesmal die Tour mit dem Motorrad? Wie wäre es wenn wir Richtung Norden fahren, meinte Gerrit, Richtung Namibia. Von den Pinguinen beim Kap der Guten Hoffnung in die Wüste Kalahari. Klingt doch nicht schlecht, ZA (Südafrika) Namibia und zurück – Zanamza – machen wir. Die gemeinsame Planung mit Kurviger war wie für eine Runde um den Block, trotz tausender Kilometer zwischen uns und für kleinste Gravelroads durch die Halbwüste – sehr geschmeidig. Klar Landkarte ist trotzdem immer dabei, auch Kompass und Höhenmesser – zur Übersicht und als Redundaz.
Erste Etappen und Ankommen auf dem Motorrad
Direkt nach Ankunft in Kapstadt gehts bei Gerrit in Muizenberg erst mal in die Garage wo zwei 390-er KTMs stehen, Gerrits gerade Eingefahrene und meine Gebrauchte mit 15.000 km. Das ganze mitgebrachte Gedönske wird an den Mopeds verteilt. Wenn man gerade aus dem winterlichen Deutschland kommt realisiert man dann beim Abendessen am Meer, ich bin weit weg von zu Hause – und das ist gut so.
Küstenstraßen, Chapman’s Peak und Verkehr
Am nächsten Tag gehts mit vollem Equipment auf Testfahrt. Die Pflicht ist purer Genuss. Am Meer entlang vorbei an der Boulders Beach, ohne mit den Pinguinen zu Baden, zum Kap der Guten Hoffnung für das obligatorische Foto. Weiter Richtung Norden zu den Misty Cliffs die durch die Gischt in der Luft ihrem Namen alle Ehre machen. Das „must do“ an Küstenstraße müssen wir aufgrund der Vorbereitungen zur Cape Town Cycling Tour auf den nächsten Tag verschieben. Knapp 30.000 Radler kämpfen auf 109 km Küstenstraße und natürlich auch dem Chapman´s Peak Drive gegen den Wind. Dieses kurze Stück Mautstraße ist nicht nur bei den Machern von Autowerbung beliebt.
Keep Left! Gut dass Gerrit zum Eingewöhnen immer vor mir fährt. Wer in den 80-ern mit dem Moto in Italien unterwegs war fühlt sich beim Verkehr in Kapstadt wieder jung. Alle Autofahrer sind gegenüber Zweirädern sehr Tolerant und nehmen Rücksicht im wahrsten Sinne des Wortes. Im Berufsverkehr auf zweispurigen Straßen teilt man mit einem Motorrad den zähfließenden Verkehr wie Moses das Meer. Beim ersten Tankstop wird der 14.5 Liter Tank der KTM befüllt was bei knapp 1.20 €/Liter keine finanzielle Herausforderungen darstellt. Die Anzeige für Durchschnittsverbrauch und Reichweite zeigt dass wir je nach Tempo bis zu 400 km schaffen und daher auf den angedachten Reserve-Benzinschlauch verzichten können. Allerdings ist Tanken bei quasi jeder verfügbaren Zapfsäule angesagt. Je weiter nördlich, je weniger Tankstellen, so alle 150 bis 200 km.
In die Cedernberge – Schotter, Pässe und Weite
Wir verlassen Kapstadt in Richtung Norden an Paarl vorbei zum denkmalgeschützten Bains Kloof Pass. 18 km lang, eine der schönsten Passstraßen Südafrikas. 594 m Höhe sind vom Meer kommend nicht schlecht und wer Lust hat kann sich im Witte River in natürlichen kleinen Staubecken abkühlen. Nach einem Abstecher nach Thulbag mit den typischen Giebelhäusern im Kapstil in der Churchstreet geht es nach Op die Berg. Heißt für uns tatsächlich auf einer kleinen unbefestigten Nebenstraße ab in die Cedernberge, Heimat der Sans Buschmänner. Schotter, atemberaubenden Felsformationen und eine Herde von 20 – 30 Baboons (Affen) kreuzen die Strecke, das ist Südafrika. Nach 300 km ist das Tagesziel erreicht. Wir werden auf der Tour lernen unsere Fragen bezüglich der Unterkunft zu konkretisieren. Internet an welcher Stelle? Nur an der Rezeption oder auch im Chalet? Und wie weit ist das vom Restaurant entfernt. Bei Mount Ceder war es ein 2 km Spaziergang durch Olivenbäume. Auf der Terasse wurde uns ein ausgezeichnetes 3 Gänge Menü serviert, begleitet vom Wein aus der Region. Das einfache Bikerleben, nur das Notwendigste.
Abgelegene Orte und Gravel-Erfahrungen
Beim Abbiegen von der Major auf eine Minor Gravel Road steht ein Schild, wie immer in Englisch und Afrikaans, 4 x 4 Fahrzeuge empfohlen. Wir probieren es mit Einradantrieb bei reduzierter Durchschnittsgeschwindigkeit über Schotter, Steinplatten und Weichsand im wilden Mix durch felsige Landschaft.
Nach einer Rast am kleinen Wasserfall bei Eselbank erreichen wir über einen spektakulären Abstieg Wupperthal. Ein kleiner Ort im Nirgendwo. Wie noch öfters auf der Reise ein Ziel dass wir aus TV und Printmedien kennen. Es gibt einen winzigen Laden der neben Chipstüten immerhin einen Kühlschrank mit kalten Getränken bietet. Keine Tankstelle (hier irrte die Karte), kein Restaurant – aber eine Schuhfabrik. Natürlich nehme ich mir ein Paar original Veldskoen mit.



Auch wenn die Tagesetappe mit 200 km nicht lang ist, es ist Mittag und wir haben erst 50 km geschafft. Kurviger sagt wenn wir weiter so trödeln erreichen wir die nächste Ansiedlung erst um 18.30 Uhr, heißt die Sonne geht langsam schlafen. Über den Hoek se Berg Pass führt die R 364, zum Glück eine Major Gravel. Wir Off Road Rookies gewinnen langsam Vertrauen in den losen Untergrund und nutzen die in ZA zulässige Höchstgeschwindigkeit von 120 aus. So stehen wir um 17 Uhr entspannt an der Tanke von Galvinia. Da können wir uns auch noch im Bottle Shop versorgen und am Pool unseres Chalets das lokale Bier genießen.
Durch die Kalahari zu den Augrabies-Wasserfällen
Nächster Tag 450 km Teerstraße wie mit dem Lineal gezogen durch die Halbwüste Kalahari. Da müssen wir durch, wir wollen zu den Augrabies Wasserfällen. Immerhin gibt es auf der Strecke einen Ort. Brandvlei, mit einer Tankstelle und dem Old Windpump Restaurant. Reisende haben hier ihre Kopfbedeckungen hinterlassen welche den gesamten Innenraum zieren. Mensch und Maschine aufgetankt geht es weiter. Am Abend wollen wir den Sonnenuntergang am Wasserfall genießen. Am Tor des Nationalparks wird uns der Einlass verwehrt, geschlossen. Erst als wir telefonisch einen Tisch im Restaurant reservieren, können wir passieren. Tip, immer die Unterkunft im Nationalpark nehmen. Der Mehrpreis wird durch ermäßigte Eintrittsgebühr ausgeglichen und mann kann außerhalb der Öffnungszeiten genießen. Wenn jemand über deutsche Bürokratie schimpft, das Ausfüllen der Dokumente um in den Nationalpark zu kommen hat rund 45 Minuten gedauert. Der Lohn, die großen Boulder im letzten Tageslicht, der Orange Fluss der über einen kleinen und großen Wasserfall 50 m in die Tiefe stürzt. Dassies und Baboons genießen mit uns die Szenerie. Die lange, triste Tagesettape ist vergessen.
450 km Piste bei deutlich über 40° und mit zeitlich unkalkulierbarem Grenzübertritt…. wir ändern die geplante Route und fahren an den Bergen entlang nach Springbok. Warum ich Kurviger benutze? Mein altes Samsung X Cover Pro hat zwar mal das Laden mit dem Hinweis eingestellt „mir ist auch so schon warm genug“, funktionierte aber tadellos wie auch Kurviger, der Wechselakku wurde nicht benötigt. Google Maps zeigte bei der Suche nach einem Bottle Shop auf dunklem Screen den Hinweis „zu Heiß“!


Grenzübertritt nach Namibia
Der Nachmittag diente der Regeneration und Reorganisation. Am nächsten Morgen die Grenze. Nach einer Stunde Ausfüllen von Formularen tanken wir in Namibia. Bei Außenkehr rechts gehts über Schotter nach Ai-Ais. Der Ort besteht aus einem Campingplatz, einem Hotel mit Thermalbad, einem Restaurant und einer Tankstelle. 60° heiße Quellen – bei 40° im Schatten! Wir nutzen nur die beiden letzten Angebote und erreichen am Nachmittag Hobas Campside. Ja, bekannter ist das Canyon Roadhouse – Gondwana Collection, das ist aber 25 km vom Viewpoint entfernt.
Fish River Canyon – eines der großen Naturhighlights
Zur Erklärung, 160 km, von Seeheim im Norden bis zum südlichsten Punkt Ai-Ais reicht der Fish River Canyon im Naturschutzgebiet Ai-Ais Richtersveld Transfrontier Park. Er ist der größte Canyon Afrikas und einer der größten der Welt. Über 500 m Tief und bis zu 27 km Breit. Eine der beliebtesten Wanderungen Afrikas ist der Fish River Canyon Hiking Trail. 90 km in 5 Tagen vom Einstieg bei Hobas nach Ai-Ais, wobei auch Wasser und Verpflegung mitgenommen werden müssen. Wegen Temperaturen von bis zu 50° nur von April bis Oktober möglich.


Von der Piste entlang des Canyon sieht man ihn nicht. Dazu muss man zum Viewpoint. Hobas Campside liegt ca. 10 km davor, an der Schranke wo auch die Tickets für den Nationalpark bezahlt werden. Hobas hat noch eins der 6 Buschchalets das wir auch ohne Klimaanlage gerne nehmen. Die Unterkunft innerhalb des Nationalparks hat den Vorteil dass wir den Sonnenuntergang am Canyon lange genießen können. Wow, was für ein Spektakel, der riesige Canyon und wir zwei Menschlein mit den kleinen Motos allein in der Weite. Auch wenn es uns schwerfällt müssen wir los. Es sind noch 10 km Piste zurück in der Dämmerung mit kreuzendem Getier und, auch nicht Unwichtig, die Küche des Restaurants schließt. Es wäre zu Schade hätten wir das Oryx Steak verpasst, es war ausgezeichnet. Natürlich fahren wir vor dem Frühstück noch mal zum Aussichtspunkt. Mit dem warmen Morgenlicht im Rücken schauen wir zu wie der dunkle Abgrund langsam seine Strukturen zeigt.
Canyon Roadhouse, Eisenbahn und Pisten
Wir sagen Hobas Ade. Der nächste Stop ist schon nach 15 km das Canyon Roadhouse nicht nur wegen der Tankstelle. Das Arrangement an alten Fahrzeugen vor dem Gebäude ist der Vorgeschmack. Ein alter LKW am Eingang ist die Rezeption eine ehemalige Tankstelle die Bar. Also mit einem Kaltgetränk die Automobile Sammlung genießen. Spoiler, wird in der Toilette das Türchen an dem großen Frauenbild geöffnet ertönt eine Sirene an der Bar und man muss eine Lokalrunde schmeißen.
Unser Weg führt uns jetzt entlang einer Bahnstrecke, einem Relikt von Deutsch Südwestafrika. Gebaut von der „Schutztruppe“ ab 1905 von Lüderitz über Aus bis Keetmanshoop. Anfang der 2000-er wurde die Strecke saniert um Mangan zum Hafen Lüderitz transportieren zu können. Uns wurde gesagt dass seit einem Jahr keine Züge mehr fahren. Wir befinden uns an der Zweigstrecke nach Karasburg bei der Holoog Brücke über den ausgetrockneten Fluß. Nach vielen Kilometern Piste eine Pause im seltenen Schatten mit dankbarem Fotomotiv, nicht nur für Bahnbegeisterte. Wir trafen dort Michael Falser einen Fachmann für deutsche Kolonialarchitektur der ein Buch über Eisenbahnarchitektur vorbereitet und den Hinweis auf eine weitere Brücke bei Seeheim gab. Lohnenswert da der Fish River dort gerade gut Wasser führt. Gemeinsam rätseln wir noch ob ein alter, ca. 5 m hoher Kalkofen in unmittelbarer Nähe auch aus der Kolonialzeit stammt. Wie gut es uns geht, daran erinnern uns die Gräber gefallener deutscher Soldaten.
Wieder auf der Piste die Augen nicht nur auf die Fahrrinne gerichtet sondern auch links und rechts ins Buschland. Der Strauß an sich hält sich nicht an Verkehrsregeln und rennt einfach quer und ein ganzes Rudel hinterher. Dann die nächste Überraschung, ein Schild mit dem Hinweis bester Apfelkuchen Namibias. Kurz drauf die Einfahrt zum Canyon Yard, einer Farm mit Bewirtung und wieder einem Arrangement von alten Fahrzeugen. Wir lassen uns den Kaffee und Apfelkuchen schmecken und plaudern mit dem Besitzer.
Köcherbäume, Giants Playground und ungewöhnliche Unterkünfte
Nach zwei Tagen Piste rollen wir die letzten 50 km auf Teer nach Keetmanshoop. Bei deutlich über 40° verschieben wir das Tanken ausnahmsweise auf den nächsten Morgen und schauen dass wir unser Tagesziel etwas außerhalb erreichen, das Quivertree Rest Camp. Wir beziehen eins der Kunststoffiglos mit allem Komfort bis hin zur funktionierenden Klimaanlage und dem obligatorischen Grill, hier Braai genannt. Die Iglos dienten mal den Arbeitern der Bahnstrecke und bereichern nun unsere Liste ausgefallener Unterkünfte. Abendessen wird hier pünktlich um 20 Uhr serviert, wir müssen uns sputen das wir unser Programm schaffen. Geparden Fütterung, Spaziergang durch den namensgebenden Köcherbaum Wald und den Giants Play Ground. Große Boulder die von Riesen dramatisch arrangiert wurden, beeindruckend.



Am nächsten Morgen merkt man dass die Akustik der Iglos außergewöhnlich ist. Regen trommelt. Wie Bitte? Gerrit ist schnell genug sprintet nach draußen und schafft es die Tropfen am Boden zu Fotografieren bevor sie verdunstet sind. Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von den Gastgebern und denken noch dass man die Bewertungen der Buchungsplattformen nicht so ernst nehmen sollte. Übrigens war es im Verlauf unserer Tour immer ein Vorteil das wir nicht online sondern telefonisch gebucht haben. Auf dem Weg nach Aus machen wir natürlich einen Fotostopp bei der Eisenbahnbrücke bei Seeheim. Mittagessen nehmen wir aber im Hotel Bahnhof in Aus ein. Flädlesuppe ist bei den Temperaturen genau das Richtige. Und natürlich Kaffe und Schwarzwälder Kirschtorte. Erstaunlich wie die kurzen Jahre deutscher Kolonialzeit nachhallen, trotz der Greuel die begangen wurden. Nach einem Foto am Kaiser Wilhelm Denkmal gehts Richtung Meer. Wir befanden uns die letzten Tage immer um die 1000 Höhenmeter mit Temperaturen über 40°. Erst kurz vor Lüderitz wird es durch die kühle Atlantikluft mit 25° richtig frisch. Wer mehr Abkühlung braucht kann ins 15° kalte Meer.


Hier über Lüderitz zu schreiben würde den Rahmen sprengen. Natürlich waren wir auch in der Geisterstadt Kolmannskoppe, Durch Diamanten unfassbar Reich geworden. Man sagt das Champagner seinerzeit genauso viel gekostet hat wie Trinkwasser. Tip: Eintrittskarten gibts nur im „The Dessert Deli“ in Lüderitz. Mit der normalen Karte Eintritt nur Vormittags, für etwas mehr gibts die Fotografen Erlaubnis, Einritt jederzeit mit Pin Code fürs Tor! Für uns hat sich der „kleine Umweg“ in diese abgelegene Region gelohnt – bunte Häuser aus der Kaiserzeit, Felsenkirche, die Große Bucht, Flamingos, gute Restaurants. Um entspannt genießen zu können haben wir uns für zwei Nächte in der Alten Villa einquartiert. Wie sagte schon Tucholsky, Platz ist in der kleinsten Villa, aber eine Villa sollte es schon sein.
Lüderitz war der nördlichste Punkt unserer Tour. Die 280 km Piste Richtung Süden durch das Diamanten „Sperrgebiet“ nach Oranjemund ist nur mit Genehmigung und Begleitfahrzeug gestattet. So nehmen wir die 400 km Teerstraße über Aus und Rosh Pina. Wieder schnurgerade hoch auf knapp 1500 m bei Aus mit unwirklichem Licht und starkem Wind. Und dann, Blitze, Donner und Regen bei über 40° in der bergigen Wüste – unbeschreiblich.








Rückweg entlang des Oranje Rivers und Westküste
Nach Übernachtung in der Minenstadt Rosh Pina treffen wir wieder auf den Oranje River. Dem folgen wir bis zum Meer. In den Dünen rechts eine Straußenherde, links das grüne Flusstal. Die Formalitäten an dem kleinen Grenzübergang sind erstaunlich schnell erledigt und wir gelangen über die 915 m lange einspurige Oppenheimer Brücke auf südafrikanischen Boden. Es ist ziemlich frisch, dunstig und nicht das entspannte Schottern am Meer entlang wie wir es uns vorgestellt haben. In Port Nolloth bleiben wir nach einem späten Mittagessen gleich über Nacht. Man merkt das der Ort seine Hochzeit hinter sich hat.

Am nächsten Morgen ist es noch diesiger und kühler. Wir beobachten illegale Diamantensucher am Abraum einer Mine und merken 10 km weiter dass auch die Polizei Interesse an Diamanten hat – Straßensperre. Polizei und schwer bewaffnete Soldaten realisieren dass wir harmlose Touristen sind und das Gespräch wechselt schnell auf das Thema Motorrad.
Wir verlassen die kühle, windige Küste Richtung Landesinnere zur N7. Nach einer Nacht mit Gewitter in einer schön angelegten Wedding Lodge mit gutem Restaurant erreichen wir Clanwilliam, die Region der Welt für Roibush Tee. Bei angenehmen Wetter gehts über den Parkhuis Pass in die Cedernberge zur Travellers Rest Farm. Wir holen den Schlüssel für unserer 2.5 km Sandpiste entferntes Chalet. Nach Pause mit mitgebrachten Kaffe und Apple Pie gehts zu Fuß los. Auf der anderen „Flußseite“ wartet der Sevilla Rock Art Trail der uns durch schöne Landschaft entlang etlicher Felszeichnungen zum Restaurant führt.



Es geht wieder zum Meer. Man merkt das wir uns im Dunstkreis von Kapstadt befinden, es wird belebter. Deutlich mehr Tankstellen als in den menschenleeren Weiten der letzten zwei Wochen. Paternoster machte auf uns den Eindruck einer Ansammlung von Wochenend- und Ferienhäusern. Für das Top bewertete Restaurant Wolfgard hätten wir schon vor Wochen reservieren müssen. Kein Wunder dass bei sonst üblicher üppigen Beschilderung ein kleiner Schriftzug an der Hauswand reicht. Wir werden aber auch im Leeta fürstlich mit Meeresfrüchten bei prasselndem Kaminfeuer versorgt. Die Küste hat uns bisher die kalte Schulter gezeigt, der West Coast National Park stimmt uns versöhnlich – ein Traum. Eine Landzunge zwischen wildem Atlantik und türkisfarbener 25 km langer Lagune mit Dünen- Buschlandschaft und vielfältigem Tierleben. Wir genießen und stellen fest dass wir es heute nicht mehr nach Kapstadt schaffen. Langebaan macht es uns einfach. Direkt am Strand Seafood bei angenehmer Temperatur und dann ein Zimmer direkt neben der Bar. Mit einem Gin-Tonic genießen wir den Sonnenuntergang.

West Coast National Park und Rückkehr nach Kapstadt
Es ist der fünfzehnte Tag. Wir besuchen den Fossil West Coast Park, eine sehenswerte Ausgrabungsstätte. Alle Arten von Urwesen haben sich im Schlamm des damaligen Meeres übereinander gestapelt. Deren Fossilien sind hier zu bestaunen. Es geht an der Küste entlang nach Kapstadt. Der Tafelberg hat zur Begrüßung die Tischdecke an. Die letzen Meter nach Muizenberg fängt der Himmel das Weinen an – es Regnet. Gerrits Frau Les begrüßt uns mit einem Bier – was für eine Tour!





Fazit: Drei Wochen, ein großes Abenteuer
Die wenigen Tankstellen im Norden sind Treffpunkt aller Tourer. Die Reisenden die wir getroffen haben rechnen nicht in Wochen, eher in Monaten oder Jahren. Für mich „Normalbürger“ waren es „nur“ drei Wochen aber ein außergewöhnliches Abenteuer. Unterm Strich nicht wirklich kostspieliger als eine Tour in Europa. Und ist das nicht gefährlich? Fragt das ernsthaft ein Motorradfahrer? Die passende Antwort ist eins der WiFi Passwörter der Tour – skrik vir niks – keine Angst vor nichts.
Reise Infos
Allgemeines:
Südafrika und Namibia sind zurecht beliebte Reiseziele. Besonders die Kapregion hat an den touristischen Hotspots preislich angezogen, ist aber trotzdem noch verhältnismäßig günstig. Wer gerne gut Essen geht und alkoholischen Getränken nicht abgeneigt ist wird seine Freude haben. Nicht nur Familien mit kleinen Kindern freuen sich über max. eine Stunde Zeitunterschied. Neben Wasser- ist auch Stromsparen ein Thema. Load Shedding heißt Stromabschaltung, immerhin mit Ankündigung per App. Deshalb immer ausreichend Bargeld dabei haben. Im Prinzip geht alles, aber ohne Strom geht nichts- zumindest kein elektronisches Zahlen. Die Zapfsäulen der Tankstellen funktionieren erstaunlicherweise trotzdem. Auch in den Küchen der Restaurants wird wohl überall mit Gas gekocht. Wir hatten allerdings Speisekarten wo bei Gerichten die Beilage je nach Stromlage variierte. Wie in vielen Regionen der Welt sollte man sich nicht zu unbedarft bewegen und den Erfahrungen der Einheimischen folgen. Grundsätzlich sind die Empfehlungen des Auswärtigen Amtes zu beachten.
Anreise:
Wer keine Zeit für die Anreise auf eigener Achse hat kann auf die Angebote einiger Airlines zurückgreifen. Direktflüge z.b.von Frankfurt oder München in ca. 10 Stunden. Nach Istanbul gibt es Verbindungen von fast jedem deutschem Rollfeld. Von dort geht es direkt in 11 Stunden nach Kapstadt. Meine Wahl, quasi direkt vor der Haustür losfliegen, deutlich günstiger als die Direktflüge und das Freigepäck von 2 x 23 kg in der Holzklasse reicht auch für die ganz große Ausrüstung.
Dokumente:
Bis 30 Tage nach geplanter Abreise gültiger, maschinenlesbarer Reisepass mit zwei freien Seiten. Kein Visa für EU Bürger. Scheckkartenführerschein reicht meist. Wer auf Sicher gehen will sollte ein internationaler Führerschein nach dem Wiener Übereinkommen über den Straßenverkehr vom 06.11.1968 dabei haben.
Motorradfahren:
Linksverkehr auf guten Straßen. Außerhalb Kapstadt wenig Verkehr. Wer Schwermetall mit langem Radstand bewegen will kommt genau so auf seine Kosten wie Freunde der grobstolligen Gummis. Es gibt alle Arten von Zweirädern von etlichen Vermietern. Zum Zeitpunkt meiner Recherche hatte eine Harley den gleichen Tarif wie eine Royal Enfield. Enduros kosten mehr. Bei Touren mit Grenzübertritt sind extra Gebühren fällig. Beim Preisvergleich sollte auf das Alter des angebotenen Zweirads geachtet werden. Kaufen ist nur theoretisch für Touristen möglich, einfacher ist es bei einem Händler über Kauf mit Rückkauf zu verhandeln. Nach Dokumenten für Grenzübertritt fragen. Es werden zahlreiche geführten Touren angeboten bis hin zum rundum sorglos Paket mit Begleitfahrzeug.
Bezahlen:
Gute Akzeptanz von Kreditkarten auch für kleinste Beträge. Trotzdem Bargeld dabei haben – Load Shedding. Der südafrikanische Rand ZAR und der Namibia Dollar NAD sind gekoppelt. ZAR wird in Namibia akzeptiert, andersherum nicht. Zum Zeitpunkt der Reise rund 1 € für 20 ZA.
Kommunikation:
Netz in Kapstadt und Umkreis sehr gut. Weiter Nördlich und Namibia Netz in größeren Ortschaften. W-lan meist in Restaurants und Unterkünften nicht immer und nicht an allen Stellen. Sim- Datenkarten sind im Eingangsbereich von Supermärkten oder Läden erhältlich, um die 5 €. Der iPhone Service „Notruf via Satellit“ steht in Südafrika nicht zur Verfügung. Satellittentelefone und -Massanger können gemietet werden. Wir haben darauf verzichtet da selbst auf den abgelegenen Pisten täglich mal ein Fahrzeug vorbei kommt.
Tour:
2 Tage Testfahrten von Muizenberg aus auf der Kaphalbinsel und 15 Tage Tour mit 14 Übernachtungen. Gesamt 17 Tage, 4200 km überwiegend auf Asphalt, 3.9 l Durchschnittsverbrauch bei jeder KTM 390 ADV. Der halbe Liter Reserve Motoröl wurde nur zur Hälfte verbraucht. Zur Orientierung, mit Sprit, Verpflegung, Unterkunft, Eintrittsgelder und Souvenirs lagen wir bei ca. 85 € p.P. und Tag. Es geht durchaus günstiger. Eintrittspreise für Nationalparks kosten für Touristen meist um die 10 € p.P..
Infos:
- Steckdosenadapter sind in Unterkünften nicht immer vorhanden (ca. 2 € im Baumarkt, deutlich günstiger als zu Hause). Benzinschläuche sind für 1/3 von deutschen Preisen vor Ort erhältlich. Flaschenkühler für 1 – 1.5 l besser mitnehmen.
- Karte mit guter Darstellung der unterschiedlichen Gravel Road Kategorien: Tracks4Africa
- Buch: Namibias faszinierende Geologie – Ein Reisehandbuch, Nicole Grünert (2013)
1: 🔗 Visit Namibia – Fisch-Fluss-Canyon
2: 🔗 Rooibos Route
4: 🔗 Fossil Park







